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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Drohnen - Die Männchen der Hornissen

Fotos von Dr. Elmar Billig


Die Männchen der Hornissen - auch Drohnen genannt  - sind leicht zu erkennen.

Ihr auffälligstes Merkmal sind die langen, schwärzlich gefärbten und zur Spitze hin gebogenen Fühler. Bei den Männchen bestehen sie aus 13 Einzelsegmenten, während sie bei der Königin und den Arbeiterinnen nur 12 Segmente aufweisen. Die Fühler sind hochspezialisierte Sinnesorgane, die zahlreiche Tast-, Geschmack- und vor allem Geruchrezeptoren beherbergen. Bei der Partnerfindung kommt ihnen eine wichtige Funktion zu.

Ferner fällt auf, dass der Hinterleib beim Männchen aus 7 sichtbaren Segmenten besteht, statt aus 6 wie bei der Königin und den Arbeiterinnen. Das letzte Tergit läuft außerdem nicht spitz zu, sondern ist deutlich abgerundet. Da die Drohnen weder Beutefang betreiben noch sich an Bautätigkeiten beteiligen, sind ihre Mandibeln längst nicht so gut entwickelt. Auch die ganze Kopfkapsel ist insgesamt etwas kleiner und schmaler ausgebildet. Hingegen besitzen sie im Verhältnis zu ihrer Körpergröße relativ lange Flügel. Dass sie geschickte und ausdauernde Flieger sind dürfte somit kaum verwundern.

Drohn (Männchen) einer Hornisse; Foto Dr. Elmar Billig

Ein Hornissendrohn erreicht eine Länge von 21-28 mm und ein Gewicht von 0,6 bis 0,7 Gramm. Nicht selten wird ein Teil der Drohnen in Arbeiterinnenzellen aufgezogen. Solche Exemplare sind dann deutlich kleiner als ihre aus Großzellen stammenden Geschwister.

Die Drohnen besitzen keinen Stachel. Der Wehrstachel der Aculeata ist evolutionstechnisch aus einem ursprünglichen Legebohrer (Ovipositor) entstanden. Es können folglich bei dieser Insektenordnung stets nur die weiblichen Tiere stechen.

Werden sie festgehalten, führen Männchen mit ihrem Hinterleib und dem exponiertem Kopulationsorgan vorgetäuschte Stechbewegungen aus ("Stechdrohung"). Sie imitieren auf diese Art eine wehrhafte Arbeiterin und erreichen dadurch in manchen Fällen, dass der erschrockene Angreifer sie wieder los lässt.

Drohn (Männchen) einer Hornisse; Foto Dr. Elmar Billig

Die ersten Männchen erscheinen in den Völkern gewöhnlich schon in der zweiten Augusthälfte, noch vor den Jungköniginnen (Protandrie). Sie bleiben einige Zeit im Nest, um Energievorräte für die folgende Paarungsphase anzulegen. Obwohl als unnütze und faule Fresser verrufen, beteiligen sie sich doch hin und wieder an den anfallenden Arbeiten. Es wurden schon Drohnen dabei beobachtet, wie sie heimkehrenden Arbeiterinnen die Beute abnahmen, zerkauten und an die Larven verteilten. Auch beim Wärmen der Brut sieht man sie gelegentlich. Doch abgesehen vom Abtransport der Verdauungsreste der Larven, den im Spätsommer fast ausschließlich die Drohnen übernehmen,  werden solche Arbeiten niemals ernsthaft und über längere Zeit ausgeführt.

Das Zahlenverhältnis zwischen den in einem Hornissenstaat hervorgebrachten Jungköniginnen und Drohnen beträgt im Mittel etwa 1:1,1. Schwache Kolonien produzieren jedoch überwiegend oder gar ausschließlich Drohnen, während sich starke Völker den Luxus vieler Jungköniginnen leisten können. Auch verwaiste (orphane) Nester, die ihre Altkönigin vorzeitig verloren haben, ziehen notgedrungen nur Männchen heran, die in diesem Fall den von den  Arbeiterinnen gelegten Eiern entstammen.

Wenn sie schließlich an einem sonnigen Tag das heimatliche Nest verlassen, so geschieht dies für immer. Zwar mögen vereinzelt auch Männchen einen Orientierungsflug unternehmen und sich den Standort des Nestes einprägen, doch wurde bisher niemals eine Rückkehr ins Muttervolk festgestellt. Den Rest ihres Lebens verbringen sie also im Freien. Im Gegensatz zu den Drohnen der Honigbiene sind sie auch durchaus imstande, für sich selbst zu sorgen. Häufig sieht man sie im Herbst auf der Suche nach Nektar an blühendem Efeu (Hedera). Es gibt auch Beobachtungen, dass sich gelegentlich mehrere Dutzend bis hundert Männchen zu Schlafgemeinschaften zusammenfinden.

An schönen Herbsttagen - Ende September/Anfang Oktober - lassen sich an sonnenbeschienenen Waldrändern, Hecken, einzeln stehenden Bäumen und anderen prominenten Landmarken schließlich mit etwas Glück die Hornissenmännchen bei ihren so genannten Brunft- oder Bahnflügen beobachten. Jedes Tier hat dabei seine individuelle Route, die es regelmäßig abfliegt. Diese Bahnflüge, bei denen die Drohnen auf das Erscheinen paarungsbereiter Königinnen warten, finden vorwiegend zwischen 9 und 12 Uhr statt. Auch der größte Teil der Jungköniginnen verlässt das Muttervolk meist in den frühen Vormittagsstunden - optimales Timing für das Zusammentreffen der Geschlechter also!


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Drohn vor dem "Austreten" Drohn beim "Austreten" Drohn, seitlich
 Drohn-Schlafplatz Drohn von oben

Beobachtungen von Thomas Rickinger:
"Drohnen suchen auch häufig direkt fremde Hornissennester auf, um dort möglicherweise eine ausfliegende Jungkönigin "abzupassen". Meist bekommt ihnen das allerdings nicht sonderlich gut; besonders auf dem Erdboden unterhalb von Nistplätzen, die große Nester enthalten, findet man nicht selten mehrere tote Drohnen, die von den Arbeiterinnen des besagten Nestes erstochen wurden. Gewöhnlich geht das sehr schnell: der Drohn landet auf der Vorderwand des Kastens, betrillert diese kurz mit den Fühlern, dann springt ihn auch schon eine Arbeiterin an, beide fallen zu Boden, ein kurzes Gerangel - bei dem das Männchen natürlich nicht den Hauch einer Chance hat - und schon ist es vorbei."

Auch bei den Hornissenköniginnen vermutet man die Abgabe von Sexuallockstoffen (Batra 1980), die anscheinend wie ein Magnet auf die Drohnen wirken. Nach Forschungen aus England kann ein Drohn allerdings auch bis zu 100 km zurücklegen! Das macht biologisch gesehen für die Erhaltung der Art Sinn; denn ein Drohn kann seine Energie verpulvern, während eine Jungkönigin für den Winter haushalten muss.

Ein Drohn kann mehrere Königinnen begatten, doch kommen nur die wenigsten überhaupt zum Zuge. Nach Untersuchungen von Foster et al. (1999) paaren sich außerdem 9 von 14 Hornissenköniginnen nur mit einem einzigen Drohn (Monandrie).


 Foto: Peter Zerhau

Die Männchen sterben nach der Paarungsphase innerhalb weniger Wochen; spätestens die ersten Nachtfröste beenden ihr kurzes Leben.

Literatur:

Batra S. W. T. (1980). Sexual behaviour and pheromones of the European  hornet Vespa crabro germana (Hymenoptera: Vespidae). J Kans Entomol Soc 53: 461-469

Foster, K. R., Seppä, P., Ratnieks, F. L. W., Thorén, P.  A. (1999). Low paternity in the hornet Vespa crabro indicates that multiple mating by queens is derived in vespine wasps. Behavioral Ecology and Sociobiology, 46: 252-257.


Sehr frühe Beobachtungen eines Drohn

  • 21.08.1999 (Thomas Rickinger)

  • 21.08.2002 (Dieter Kosmeier)

  • 17.08.2003 (Dr. Elmar Billig)

  • 03.09.2004 (Dieter Kosmeier)

  • 13.08.2006 (Dieter Kosmeier)

  • 15.08.2007 (Robert Ripberger)


Detailansichten ...

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Detailansicht Hinterbein Detailansicht Flügelaufhängung

Hinterbein

Flügelaufhängung

Blick auf den männlichen Kopulationsapparat, Foto: Dr. Elmar Billig Blick auf den männlichen Kopulationsapparat, Foto: Dr. Elmar Billig Blick auf den männlichen Kopulationsapparat, Foto: Dr. Elmar Billig
Geöffnetes letztes Abdominalsegment mit Blick auf den männlichen Kopulationsapparat
  Blick auf den männlichen Kopulationsapparat, Foto: Dr. Elmar Billig Blick auf den männlichen Kopulationsapparat, Foto: Dr. Elmar Billig

Männlicher Kopulationsapparat

Männlicher Kopulationsapparat; Foto: Dr. Elmar Billig Männlicher Kopulationsapparat; Foto: Dr. Elmar Billig

Die beiden schwarzen Platten bilden die Gonocoxa, auch Basiparamere genannt. Sie umschließen den eigentlichen Penis (Aedoeagus). Die großen, paarig und zangenartigen ausgebildeten Parameren dienen als Greiforgan während der Kopula. Das männliche Genital ist interspezifisch unterschiedlich geformt und daher häufig ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei der Bestimmung von Insekten.

Einzelheiten zur Kopula bei Hornissen:
Die weibliche Geschlechtsöffnung befindet sich unterhalb des Stachelapparates an der Bauchseite. Bei der Kopula spreizt das Weibchen die hinteren Segmentplatten ab und gibt so erst den Zugang zur Stachelkammer frei. In dieser wird der männliche Begattungsapparat verankert und der Aedoeagus in die Vagina eingeführt.

Das Ejakulat gelangt nicht direkt in die Samenblase, sondern zuerst in die sogenannte Begattungstasche (Bursa copulatrix), die den Vaginalkanal abschließt. Die Samenblase (Spermatheka, Receptaculum seminis) befindet sich hinter der Bursa copulatorix und ist mit dieser durch einen Kanal verbunden. Um in die Spermatheka zu gelangen, wo sie für die spätere Verwendung längerfristig gespeichert werden, müssen die Spermien z.T. aktiv schwimmen, werden dabei jedoch auch durch muskuläre Kontraktionen der Bursa unterstützt.

Drohn mit ungewöhnlicher Farbvariante; Foto: Dr. Elmar Billig
Drohn mit ungewöhnlicher Farbvariante


Zu guter Letzt:
Die Drohne tun gut daran, rechtzeitig das Nest zu verlassen. Denn sehr häufig sind sie den teilweise tödlichen Übergriffen ihrer eigenen Schwestern ausgesetzt. Siehe das entsprechende Video HIER!


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