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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Artikel im Stern 36/2001 - "Keine Angst, die tun nichts"


Hornissen: Weit harmloser als ihr Ruf

Alle fürchten die großen Brummer: drei Stiche, und man stirbt. Unsinn. Hornissen sind friedfertig, ihr Gift ist ziemlich harmlos. Und sie werden den Menschen selten lästig - denn die Vespa crabro fliegt nicht auf Eis und Kuchen.

Was da mit einem Affenzahn heranschwirrt, hört sich beängstigend groß und verdammt gefährlich an. Das wütende Summen ist nicht der gewohnte Bienen- und Wespensopran, sondern rabiater Hornissenbariton. Und schon sind sie da. Mit einem grimmigen Furioso rasen sie ein paar Mal um den Kopf des Störenfrieds herum und lärmen dabei so aggressiv wie winzige Kettensägen auf Vollgas. Gelbe Insektenwarnfarbe blitzt bedrohlich auf, vielgliedrige Fühler zucken, Chitinpanzer schimmern. Die meisten Menschen bekommen eine Gänsehaut, schlagen um sich und rennen los. Denn wie lautet die alte Volksweisheit? Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen.

"Kompletter Blödsinn", wettert Elmar Billig. Der promovierte Kieferorthopäde aus Neu-Isenburg liebt das größte staatenbildende Insekt Europas herzinniglich. Hornissen sind für den 40-Jährigen die "schönsten und faszinierendsten Tiere der Welt". Die rund drei Zentimeter langen gelb-schwarzen Brummer werden nicht wie Bienen "durch Gewitterschwüle, Schweiß- und Parfümgeruch aggressiv und stürzen sich auch nie nach Wespenart auf Speiseeis und Pflaumenkuchen", sagt Billig. "Im Vergleich zu Hornissen sind Honigbienen richtige Stinktiere." Hornissen seien in völligem Gegensatz zu ihrem Leumund "hochintelligent, absolut friedfertig und superharmlos".

Weit mehr Todesfälle durch Stromschlag oder Ertrinken
Tatsächlich: Maja und ihre Schwestern injizieren fünf- bis 50-mal mehr Gift als die großen Cousinen, und ihr Kampfstoff-Cocktail ist bis zu 15-mal stärker. Damit kann eine Biene bis zu 750-mal gefährlicher sein als eine Hornisse. Für den wissenschaftlichen Beweis, dass die dicken Brummer keine Killer sind, mussten Laborratten bis zu 60 der schmerzhaften Hornissenstiche erdulden - und überstanden die Tortur ohne bleibende Schäden. In ihrem "Lehrbuch der Toxikologie" betonen die Hamburger Professoren Hans Marquardt und Siegfried Schäfer, dass ein Mensch nicht von drei, sondern "von einigen tausend" Hornissen gestochen werden müsste, um eine tödliche Giftdosis aufzunehmen. Deshalb beruhten Todesfälle "immer auf der Auslösung eines allergischen Schocks" bei besonders empfindlichen Personen. Jedes Jahr sterben zehn bis 15 Deutsche an einem Insektenstich. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum ertrinken etwa 500 Bundesbürger, und 150 erleiden einen tödlichen Stromschlag.

Der Kieferorthopäde Elmar Billig findet
Hornissen faszinierend. In seinem
Wohnzimmer lebt ein ganzer Staat.


Wer nicht allergisch ist, muss sich keine Sorgen machen, denn die Wahrscheinlichkeit, von 1000 Hornissen gepiesackt zu werden, ist denkbar gering. Erstens wimmeln selbst in einem großen Nest auf dem Saisonhöhepunkt im August meist nur einige hundert Arbeiterinnen herum. Zweitens fliegen nach Beobachtungen von Billig aus einem Bau bei Bedrohung "so gut wie nie mehr als 50 bis 80 Tiere auf einmal aus", von denen immer nur jedes fünfte zusticht, während der Rest Kapriolen fliegt oder Drohgebärden vollführt.

 


Schmerzhafte Drohgebärde: Sprüh-Angriff auf empfindliche Stellen
Das ist gut so, denn Hunderte von Stichen können durchaus zu Ödemen, Gewebeschäden, inneren Blutungen und Nierenproblemen führen. Und auch die Drohgebärden haben es in sich. Die Insekten können dabei ihren Chemikaliencocktail mit nach vorn gekrümmtem Hinterleib im Flug versprühen - 30 bis 40 Zentimeter weit. Und sie scheinen zu wissen, dass menschliche Augen besonders empfindlich sind. "Blind wird man davon nicht, wie es immer heißt, aber das Zeug brennt wie Feuer", sagt Billig, der selbst schon mehrmals in die Augen getroffen wurde. "Man sieht eine Viertelstunde nichts, vor allem wegen der Tränen, und man kann Schüttelfrost kriegen wie bei Grippe. Aber der ist nach einer halben Stunde wieder weg."

Doch was tun, wenn man gestochen wird? Billig rät, Stiche in den Hals, ins Gesicht oder in große Blutgefäße genau zu beobachten und bei ersten Beschwerden oder allergischen Reaktionen sofort zum Arzt zu gehen. Natürlich sind Stiche in Mund und Rachen, nicht anders als bei Bienen und Wespen, wegen der Erstickungsgefahr sehr riskant.

Wer sie angreift, darf sich über Gegenwehr auch nicht wundern
Wenn Hornissen zur Waffe greifen, haben sie in der Regel einen guten Grund. Laut Billig hassen die Brummer plötzliche Erschütterungen ihres Wabenbaues sowie Manipulationen an Nest und Flugloch, heftige Bewegungen erschreckter Menschen, längeres Blockieren der Einflugschneise zu ihrem Nest sowie Rasenmäher mit Zweitaktmotor oder ähnliche Krachmaschinen. Wer die Behausung aus bräunlichem "Wespenpapier" abklopft oder die Tiere vor lauter Panik aus der Luft zu Boden schlägt, muss sich nicht wundern, wenn er attackiert wird.

Hornissen sterben im Gegensatz zu Bienen nicht, wenn sie stechen. Ihr Stachel dient nämlich nicht der Verteidigung, sondern der Jagd. Die Arbeiterinnen müssen die fetten Larven, die kopfunter in ihren am Boden offenen Waben hängen, rund um die Uhr mit Insektenfleisch versorgen. Täglich erbeuten die Jägerinnen eines mittelgroßen Stocks Tausende von Fliegen und anderen Schadinsekten.

Tausend Mal berührt, tausend Mal ist nichts passiert...
Elmar Billig ist kein Schwärmer, der seine stachligen Lieblinge aus sicherer Ferne anhimmelt; seit 22 Jahren siedelt er quasi im Zweitberuf Nester der vom Aussterben bedrohten und gesetzlich streng geschützten Großinsekten um - etwa vom Rolladenkasten einer Frankfurter Villa in ein ausgewähltes Waldstück bei Neu-Isenburg. Seine Firma Hymo-Tec bewältigt in diesen Wochen den tausendsten Umzug eines Hornissen- oder Wespenstaates. Trotzdem ist Billig erst von einer einzigen Hornisse gestochen worden.

Die Nistkästen, in denen er die Völker beim komplizierten "Fang" unterbringt, befestigt der Insektenheger hoch oben in Bäumen. Warum so hoch? "Als sie tiefer hingen, haben die Leute sie mit Schrot beschossen, Steine nach ihnen geworfen und sogar einen Baum mit Nest abgefackelt."

Insektengesumm als Tischmusik
Diese Hornissen-Hysteriker würden im Haus von Billig durchdrehen. Dort wuselt im Wohnzimmer hinter einem Netz aus transparentem Kunststoff Tag und Nacht ein Hornissenstaat. Noch einen draufgesetzt hat der Entomologe (Insektenforscher) John Wenzel von der Ohio State University in Columbus. Auch er hat ein Hornissennest im Zimmer, verzichtet aber auf ein Netz. Die Brummer schwärmen durch ein Mauerloch ein und aus, das sich genau über dem Tisch befindet, an dem Wenzel seine Gäste bewirtet. Bisher war noch jeder begeistert. Kein Wunder - alle Besucher waren Entomologen.

Gerd Schuster
Fotos: Jasmin Grund/Dr. Elmar Billig

 

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